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Ausbau erneuerbarer Energien alleine reicht nicht aus

Sven Otto 7. März 2014

Seit November 2013 liegt der Koalitionsvertrag (KV) der neuen Bundesregierung vor, der für die kommenden Jahre die Richtung für die Energiepolitik vorgibt. Darin wird betont, dass die Energiewende dem energiepolitischen Dreieck genügen muss. Demnach müssen stets die drei Kriterien Umweltverträglichkeit, Versorgungssicherheit und Bezahlbarkeit der Energieversorgung angestrebt werden. Der Energiewende Outlook, eine interne Untersuchung der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers AG (PwC) leitet aus einer Vielzahl der Studien und Pressemeldungen der letzten Jahre her, in wie weit die KV-Vorgaben konkretisiert werden sollten, um die Energiewende erfolgreich umzusetzen.

Die von der Bundesregierung angestrebte Reduzierung der CO2-Emissionen lässt sich zwar über reinen Ausbau der erneuerbaren Energien erreichen, würde aber ohne steigende Energieeffizienz eine erheblich höhere Kostenbelastung bei der Stromerzeugung bedeuten. So ergibt sich in Abhängigkeit von der Entwicklung des Brutto-Stromverbrauchs ein deutlich unterschiedlicher Ausbaubedarf bei den erneuerbaren Energien. Sollte der Bruttostromverbrauch beispielsweise zukünftig jährlich um 0,9 Prozent steigen, müssten erneuerbare Energieträger bereits im Jahr 2025 etwa 300 Terrawattstunden (TWh) zur Stromversorgung beitragen, um einen Anteil erneuerbarer Energien von 45 Prozent (obere Grenze des im Koalitionsvertrag festgelegten Zielkorridors) zu erreichen. Dies entspräche nahezu einer Verdoppelung im Vergleich zu 2012. Bei einem Rückgang des Bruttostromverbrauchs um 1,9 Prozent pro Jahr (unterer Rand der Markterwartungen für den Zeitraum von 2013-2025) würden 2025 demgegenüber lediglich 191 Terrawattstunden benötigt, damit die erneuerbaren Energien 40 Prozent (untere Grenze des im Koalitionsvertrag festgelegten Zielkorridors) des Stromverbrauchs ausmachen. Noch schwerwiegender sind die Unwägbarkeiten für die Betreiber konventioneller Kraftwerke. Bei einem steigenden Stromverbrauch droht ohne den Bau zusätzlicher Kraftwerke, die den größten Anteil der gesicherten Leistung bereitzustellen haben, spätestens ab 2022 eine Kapazitätslücke, die bis 2050 auf bis zu 76 Gigawatt ansteigen könnte.

Der Koalitionsvertrag weist richtigerweise auf die Bedeutung der konventionellen Energien auch im Rahmen der Energiewende hin. Hinzutreten sollten aber auch Anreize für einen klimafreundlichen Mix von Kohle- und Gas. Denn fest steht: Unter den gegenwärtig vorherrschenden Preisverhältnissen und ohne weitere Veränderungen der Rahmenbedingungen werden Gaskraftwerke- trotz ihrer deutlich niedrigeren CO2-Belastung- zunehmend aus dem Markt gedrängt. Die Bundesregierung muss die Vorgaben weiter konkretisieren, damit Investitionen in erneuerbare Energien und auch konventionelle Kraftwerke kalkulierbar bleiben, so das eindeutige Fazit der PwC Studie. Hierbei dürfen auch die Bereiche der energetischen Gebäudesanierung, Wärmeerzeugung und Verkehr nicht außer Acht gelassen werden. Der mögliche Beitrag dieser Bereiche zur Energiewende sollte künftig stärker berücksichtigt werden. Die Bundesregierung ist vor die Frage gestellt, ob sie in definierten Bereichen die Einsparziele durch den Einsatz erneuerbarer Energien oder durch Investitionen in eine Hebung der Energieeffizienz erreichen möchte.

Weitere Informationen erhalten Sie unter: www.pwc.de/energiewende

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